kohli.de

Mythen und Legenden

Sternenhimmel über dem Olymp, ein Blitz zuckt aus den Wolken, auf einer Säule sitzt eine Eule

Die griechischen Mythen erzählen von launischen Göttern, mutigen Helden und schrecklichen Ungeheuern. Mit ihnen erklärten sich die Menschen der Antike die Welt: Gewitter, Jahreszeiten, das Meer und das Schicksal. Viele dieser Geschichten sind fast 3.000 Jahre alt und werden bis heute erzählt.

Aufgeschrieben haben sie vor allem Dichter wie Homer mit „Ilias“ und „Odyssee“ und Hesiod mit seiner „Theogonie“, der Entstehung der Götter. Weil die Mythen lange mündlich weitergegeben wurden, gibt es von vielen Sagen mehrere Fassungen.

Wie die Welt entstand

  1. Chaos

    Zuerst gab es nur das Chaos, eine gähnende Leere. Daraus entstanden Gaia, die Erde, und Eros, die Liebe.

  2. Gaia und Uranos

    Gaia brachte den Himmel Uranos hervor. Ihre Kinder waren die zwölf Titanen, die Zyklopen und die hundertarmigen Riesen.

  3. Kronos

    Der Titan Kronos stürzte seinen Vater und herrschte über die Welt. Aus Angst, selbst entmachtet zu werden, verschlang er seine eigenen Kinder.

  4. Zeus

    Seine Mutter Rhea versteckte den kleinen Zeus in einer Höhle auf Kreta und gab Kronos einen in Windeln gewickelten Stein zu schlucken.

  5. Titanomachie

    Erwachsen zwang Zeus Kronos, die Geschwister wieder auszuspucken. Zehn Jahre kämpften Götter gegen Titanen, bis Zeus siegte.

  6. Die Olympier

    Zeus teilte die Welt mit seinen Brüdern: Er nahm den Himmel, Poseidon das Meer, Hades die Unterwelt.

Die zwölf Olympier

Auf dem Gipfel des Olymp wohnten die zwölf wichtigsten Götter. Die Römer übernahmen sie später unter anderen Namen, deshalb steht bei jedem Gott auch sein römischer Name. Hades gehört nicht dazu, denn er lebte in der Unterwelt. Manchmal wird statt Dionysos auch Hestia, die Göttin des Herdfeuers, zu den Zwölf gezählt.

Zeus

römisch: Jupiter

Göttervater, Herr über Himmel, Wetter und Blitz. Er herrscht vom Olymp aus und hält die Ordnung unter Göttern und Menschen.

Hera

römisch: Juno

Gattin des Zeus und Göttin der Ehe und der Familie. Ihr heiliges Tier ist der Pfau.

Poseidon

römisch: Neptun

Gott des Meeres, der Erdbeben und der Pferde. Mit seinem Dreizack wühlt er die See auf.

Demeter

römisch: Ceres

Göttin der Erde, des Getreides und der Fruchtbarkeit. Ihre Trauer um Persephone erklärt den Winter.

Athene

römisch: Minerva

Göttin der Weisheit, des Handwerks und der klugen Kriegsführung. Schutzgöttin Athens, ihr Symbol ist die Eule.

Apollon

römisch: Apollo

Gott des Lichts, der Musik, der Dichtkunst und der Weissagung. Sein Orakel stand in Delphi.

Artemis

römisch: Diana

Göttin der Jagd, der Wildnis und des Mondes, Zwillingsschwester des Apollon.

Ares

römisch: Mars

Gott des Krieges in seiner wilden, rohen Form. Bei den Griechen wenig beliebt, bei den Römern hoch verehrt.

Aphrodite

römisch: Venus

Göttin der Liebe und der Schönheit. Der Sage nach stieg sie aus dem Meeresschaum vor Zypern.

Hephaistos

römisch: Vulcanus

Gott des Feuers und der Schmiedekunst. Er schmiedete die Blitze des Zeus und die Waffen der Helden.

Hermes

römisch: Merkur

Götterbote mit Flügelschuhen, Gott der Reisenden, der Händler und der Diebe. Er geleitet die Seelen in die Unterwelt.

Dionysos

römisch: Bacchus

Gott des Weines, des Rausches und des Theaters. Zu seinen Ehren entstanden in Athen die ersten Tragödien.

Die großen Helden

Herakles

Sohn des Zeus und stärkster aller Helden. Er erfüllte zwölf Arbeiten, besiegte den Nemeischen Löwen und die vielköpfige Hydra.

Perseus

Er schlug der Medusa den Kopf ab, deren Blick versteinerte, und rettete Andromeda vor einem Seeungeheuer.

Theseus

Er tötete im Labyrinth von Knossos den Minotauros, halb Mensch, halb Stier, und fand mit Ariadnes Faden zurück.

Jason

Mit den Argonauten segelte er bis ans Schwarze Meer, um das Goldene Vlies zu holen, geholfen von der Zauberin Medea.

Odysseus

Der listige König von Ithaka erfand das Trojanische Pferd und überlistete auf seiner Irrfahrt den Zyklopen Polyphem.

Achilleus

Der größte Krieger vor Troja, fast unverwundbar. Ein Pfeil in die Ferse wurde ihm schließlich zum Verhängnis.

Berühmte Sagen

Prometheus stahl den Göttern das Feuer und brachte es den Menschen. Zur Strafe ließ Zeus ihn an einen Felsen im Kaukasus schmieden, wo ein Adler jeden Tag von seiner Leber fraß.

Dädalus und Ikarus flohen mit Flügeln aus Federn und Wachs aus der Gefangenschaft auf Kreta. Ikarus flog übermütig zu nah an die Sonne, das Wachs schmolz, und er stürzte ins Meer.

Orpheus sang so schön, dass selbst Hades weich wurde und ihm seine verstorbene Frau Eurydike zurückgab. Er durfte sich auf dem Weg nach oben nur nicht nach ihr umdrehen. Kurz vor dem Ziel tat er es doch.

Der Trojanische Krieg begann mit einem goldenen Apfel und dem Urteil des Paris, der Aphrodite zur Schönsten erklärte. Zum Lohn bekam er Helena, die Frau des Königs von Sparta, und entfachte damit einen zehnjährigen Krieg.

König Midas wünschte sich, dass alles, was er berührt, zu Gold wird. Der Wunsch wurde erfüllt, und bald konnte er weder essen noch trinken.

Mythen im Alltag

Viele Redewendungen, die wir täglich benutzen, stammen direkt aus der griechischen Sagenwelt.

Achillesferse

Achilleus war unverwundbar, nur nicht an der Ferse, an der ihn seine Mutter Thetis beim Eintauchen in den Styx festhielt. Dort traf ihn der Pfeil des Paris.

Sisyphusarbeit

Sisyphos muss in der Unterwelt einen Felsbrocken einen Berg hinaufwälzen, der kurz vor dem Gipfel immer wieder hinabrollt.

Büchse der Pandora

Pandora öffnete das Gefäß, das sie nicht öffnen sollte, und ließ alle Übel in die Welt. Nur die Hoffnung blieb darin zurück.

Odyssee

Zehn Jahre irrte Odysseus nach dem Trojanischen Krieg über das Meer, bis er endlich seine Heimat Ithaka erreichte.

Trojanisches Pferd

Im hölzernen Pferd versteckten sich griechische Krieger. Die Trojaner holten es selbst in ihre Stadt.

Ariadnefaden

Mit dem Garnknäuel der Ariadne fand Theseus aus dem Labyrinth des Minotauros wieder heraus.

Tantalusqualen

Tantalos steht in der Unterwelt im Wasser unter Früchten. Will er trinken oder essen, weicht beides vor ihm zurück.

Panik

Der Hirtengott Pan konnte Menschen und Herden mit seinem plötzlichen Schrei in kopflose Angst versetzen.

Echo

Die Nymphe Echo verliebte sich unglücklich in Narziss und verging, bis nur ihre Stimme übrig blieb.

Herkulesaufgabe

Herakles musste zwölf scheinbar unlösbare Arbeiten erfüllen, etwa den Stall des Augias an einem Tag ausmisten.

Orte der Mythen

Wer durch Griechenland reist, steht oft mitten in den alten Geschichten.

Olympder Berg der Götter, heute ein Nationalpark mit Wanderwegen bis zum Gipfel
Delphidas berühmte Orakel des Apollon, für die Griechen der Nabel der Welt
Knossos auf Kretader Palast des Königs Minos und Heimat des Labyrinths
Kap Sounionder Poseidontempel, von dem sich König Aigeus ins Meer gestürzt haben soll, das seither Ägäis heißt
Naxoshier ließ Theseus Ariadne zurück, und Dionysos nahm sie zur Frau
Ithakadie Heimatinsel des Odysseus im Ionischen Meer