Mythen und Legenden

Die griechischen Mythen erzählen von launischen Göttern, mutigen Helden und schrecklichen Ungeheuern. Mit ihnen erklärten sich die Menschen der Antike die Welt: Gewitter, Jahreszeiten, das Meer und das Schicksal. Viele dieser Geschichten sind fast 3.000 Jahre alt und werden bis heute erzählt.
Aufgeschrieben haben sie vor allem Dichter wie Homer mit „Ilias“ und „Odyssee“ und Hesiod mit seiner „Theogonie“, der Entstehung der Götter. Weil die Mythen lange mündlich weitergegeben wurden, gibt es von vielen Sagen mehrere Fassungen.
Wie die Welt entstand
Chaos
Zuerst gab es nur das Chaos, eine gähnende Leere. Daraus entstanden Gaia, die Erde, und Eros, die Liebe.
Gaia und Uranos
Gaia brachte den Himmel Uranos hervor. Ihre Kinder waren die zwölf Titanen, die Zyklopen und die hundertarmigen Riesen.
Kronos
Der Titan Kronos stürzte seinen Vater und herrschte über die Welt. Aus Angst, selbst entmachtet zu werden, verschlang er seine eigenen Kinder.
Zeus
Seine Mutter Rhea versteckte den kleinen Zeus in einer Höhle auf Kreta und gab Kronos einen in Windeln gewickelten Stein zu schlucken.
Titanomachie
Erwachsen zwang Zeus Kronos, die Geschwister wieder auszuspucken. Zehn Jahre kämpften Götter gegen Titanen, bis Zeus siegte.
Die Olympier
Zeus teilte die Welt mit seinen Brüdern: Er nahm den Himmel, Poseidon das Meer, Hades die Unterwelt.
Die zwölf Olympier
Auf dem Gipfel des Olymp wohnten die zwölf wichtigsten Götter. Die Römer übernahmen sie später unter anderen Namen, deshalb steht bei jedem Gott auch sein römischer Name. Hades gehört nicht dazu, denn er lebte in der Unterwelt. Manchmal wird statt Dionysos auch Hestia, die Göttin des Herdfeuers, zu den Zwölf gezählt.
Zeus
römisch: JupiterGöttervater, Herr über Himmel, Wetter und Blitz. Er herrscht vom Olymp aus und hält die Ordnung unter Göttern und Menschen.
Hera
römisch: JunoGattin des Zeus und Göttin der Ehe und der Familie. Ihr heiliges Tier ist der Pfau.
Poseidon
römisch: NeptunGott des Meeres, der Erdbeben und der Pferde. Mit seinem Dreizack wühlt er die See auf.
Demeter
römisch: CeresGöttin der Erde, des Getreides und der Fruchtbarkeit. Ihre Trauer um Persephone erklärt den Winter.
Athene
römisch: MinervaGöttin der Weisheit, des Handwerks und der klugen Kriegsführung. Schutzgöttin Athens, ihr Symbol ist die Eule.
Apollon
römisch: ApolloGott des Lichts, der Musik, der Dichtkunst und der Weissagung. Sein Orakel stand in Delphi.
Artemis
römisch: DianaGöttin der Jagd, der Wildnis und des Mondes, Zwillingsschwester des Apollon.
Ares
römisch: MarsGott des Krieges in seiner wilden, rohen Form. Bei den Griechen wenig beliebt, bei den Römern hoch verehrt.
Aphrodite
römisch: VenusGöttin der Liebe und der Schönheit. Der Sage nach stieg sie aus dem Meeresschaum vor Zypern.
Hephaistos
römisch: VulcanusGott des Feuers und der Schmiedekunst. Er schmiedete die Blitze des Zeus und die Waffen der Helden.
Hermes
römisch: MerkurGötterbote mit Flügelschuhen, Gott der Reisenden, der Händler und der Diebe. Er geleitet die Seelen in die Unterwelt.
Dionysos
römisch: BacchusGott des Weines, des Rausches und des Theaters. Zu seinen Ehren entstanden in Athen die ersten Tragödien.
Die großen Helden
Herakles
Sohn des Zeus und stärkster aller Helden. Er erfüllte zwölf Arbeiten, besiegte den Nemeischen Löwen und die vielköpfige Hydra.
Perseus
Er schlug der Medusa den Kopf ab, deren Blick versteinerte, und rettete Andromeda vor einem Seeungeheuer.
Theseus
Er tötete im Labyrinth von Knossos den Minotauros, halb Mensch, halb Stier, und fand mit Ariadnes Faden zurück.
Jason
Mit den Argonauten segelte er bis ans Schwarze Meer, um das Goldene Vlies zu holen, geholfen von der Zauberin Medea.
Odysseus
Der listige König von Ithaka erfand das Trojanische Pferd und überlistete auf seiner Irrfahrt den Zyklopen Polyphem.
Achilleus
Der größte Krieger vor Troja, fast unverwundbar. Ein Pfeil in die Ferse wurde ihm schließlich zum Verhängnis.
Berühmte Sagen
Prometheus stahl den Göttern das Feuer und brachte es den Menschen. Zur Strafe ließ Zeus ihn an einen Felsen im Kaukasus schmieden, wo ein Adler jeden Tag von seiner Leber fraß.
Dädalus und Ikarus flohen mit Flügeln aus Federn und Wachs aus der Gefangenschaft auf Kreta. Ikarus flog übermütig zu nah an die Sonne, das Wachs schmolz, und er stürzte ins Meer.
Orpheus sang so schön, dass selbst Hades weich wurde und ihm seine verstorbene Frau Eurydike zurückgab. Er durfte sich auf dem Weg nach oben nur nicht nach ihr umdrehen. Kurz vor dem Ziel tat er es doch.
Der Trojanische Krieg begann mit einem goldenen Apfel und dem Urteil des Paris, der Aphrodite zur Schönsten erklärte. Zum Lohn bekam er Helena, die Frau des Königs von Sparta, und entfachte damit einen zehnjährigen Krieg.
König Midas wünschte sich, dass alles, was er berührt, zu Gold wird. Der Wunsch wurde erfüllt, und bald konnte er weder essen noch trinken.
Mythen im Alltag
Viele Redewendungen, die wir täglich benutzen, stammen direkt aus der griechischen Sagenwelt.
Achilleus war unverwundbar, nur nicht an der Ferse, an der ihn seine Mutter Thetis beim Eintauchen in den Styx festhielt. Dort traf ihn der Pfeil des Paris.
Sisyphos muss in der Unterwelt einen Felsbrocken einen Berg hinaufwälzen, der kurz vor dem Gipfel immer wieder hinabrollt.
Pandora öffnete das Gefäß, das sie nicht öffnen sollte, und ließ alle Übel in die Welt. Nur die Hoffnung blieb darin zurück.
Zehn Jahre irrte Odysseus nach dem Trojanischen Krieg über das Meer, bis er endlich seine Heimat Ithaka erreichte.
Im hölzernen Pferd versteckten sich griechische Krieger. Die Trojaner holten es selbst in ihre Stadt.
Mit dem Garnknäuel der Ariadne fand Theseus aus dem Labyrinth des Minotauros wieder heraus.
Tantalos steht in der Unterwelt im Wasser unter Früchten. Will er trinken oder essen, weicht beides vor ihm zurück.
Der Hirtengott Pan konnte Menschen und Herden mit seinem plötzlichen Schrei in kopflose Angst versetzen.
Die Nymphe Echo verliebte sich unglücklich in Narziss und verging, bis nur ihre Stimme übrig blieb.
Herakles musste zwölf scheinbar unlösbare Arbeiten erfüllen, etwa den Stall des Augias an einem Tag ausmisten.
Orte der Mythen
Wer durch Griechenland reist, steht oft mitten in den alten Geschichten.